Quito – das Leben in der Hauptstadt eines Bananenstaates an der Pazifikküste

Das ist Quito. Eine 4-spurige Avenida im Zentrum sorgt für Staub und Lärm. Die Verkehrsteilnehmer, meist schwere SUVs und klobige “camionetas”, Pick-up amerikanischen Stiles, stehen hupend im Stau oder lassen die Motoren aufdröhnen um abrupt die Fahrspur zu wechseln. So gewinnen sie einige Meter. Auch die alten Buse der Marke Mercedes, die in Quito den Grossteil des öffentlichen Verkehrs ausmachen sind flink unterwegs; kaum sieht der Busfahrer einen winkenden Passanten am Strassenrand, leitet er eine Vollbremsung ein und wechselt – falls nötig – ohne zu zögern die Fahrspur. Es gibt zwar Haltestellen, aber keine (ausreichend durchgesetzten) städtische Verordnungen, die verhindern würden, dass die freie Marktwirtschaft das Ruder übernimmt. Der neue Passagier springt dann auf – oftmals während dem sich der Bus noch in Bewegung befindet. Gut Festhalten ist angesagt, denn der Bus sprintet sofort los, mit einer Beschleunigung die einen erblassen lässt und einer Kohlenstaubwolke, die für kurze Zeit die gesamte Strasse schwärzlich-grau vernebelt.

Der Fussgänger ist hingegen auch auf den spärlich vorhandenen Zebrastreifen Freiwild. Zwar ist von Gesetzes wegen dem wartenden Passanten der Vortritt zu gewähren; in der Praxis stellen die “Quiteños” den gesunden Überlebensinstinkt jedoch über ihren Fussgängerstolz. Wenn eine Strasse überquert werden muss, wird gerannt – aus unüberwindbarer Furcht auch dann, wenn ein freundlicher Autolenker für einmal bremst. Fussgänger setzen sich in Quito auf andere Art und Weise durch: Passagen und Brücken, aber auch Zebrastreifen werden nur dann benutzt, wenn diese gerade auf dem Weg liegen. Weitaus verbreiteter ist die Angewohnheit, quer durch den Verkehr zu sprinten und Inseln oder Strassenlichter als taktische Deckungen zu benutzen. Diese Guerilla-Taktik macht den Verkehr für alle Teilnehmenden noch unübersichtlicher und gefährlicher.