Ecuador: Insubordination der Polizei oder versuchter Staatsstreich?

Um 09:00 Morgens 30.09.2010 (heute) erschienen die ersten Meldungen über eine Revolte innerhalb der Polizeikräfte und der Ecuadorianischen Armee. Das lokale TV begann mit der Live Coverage der Geschehnisse auf der Strasse und strahlte Bilder aus von Nationalpolizisten in Uniform, die mitten auf der Strasse Reifen anzünden.

Präsident Rafael Correa scheint mit seinem Helikopter erst zu einer Polizeikaserne (Regimento de Quito) geflogen zu sein, wo er aus einem Fenster per Mikrofon und Verstärker zu den revoltierenden Polizisten sprach. Innert Kürze scheint der Dialog (Monolog??) aber ausgeartet zu sein (Correa: “Wenn ihr mich töten wollt, dann tötet mich! – Si quieren matarme, matenme!).

Daraufhin ist Correa (scheinbar aus Sicherheitsgründen) zum Hospital de la Policia (Polizeispital) geflogen worden. Das Spital ist momentan eingekesselt von Nationalpolizisten, die jedes Auto bei der Ausfahrt durchsuchen, um den Präsidenten nicht entwischen zu lassen. Der Präsident selbst redet von einem Staatsstreich und davon, dass Polizisten über das Dach des Spitals versuchen, in das Zimmer, wo er festsitzt, einzusteigen. “Wenn es nötig ist, gebe ich für mein Vaterland mein Leben, aber wisst, dass nach mir 1000 neue Rafael Correas folgen werden”.

Seit dem Morgen hat die Nationalpolizei (policia nacional) in Guayaquil eine wichtige Brücke gesperrt, in ganz Quito ist der Verkehr ebenfalls durch Versamlungen von Polizisten und durch das Chaos auf den Strassen verunmöglicht.

Soldaten der FF.AA. (Fuerza Armada del Ecuador – Ecuadorianische Luftwaffe) haben am Morgen mit einem Vehikel die Piste des Internationalen Flughafens und des Luftwaffenstützpunkts Quito (beide am gleichen Ort) gesperrt und so den Luftverkehr zum erliegen gebracht. LAN hat aus Sicherheitsgründen alle Fluge von und nach Quito (UIO) gestrichen. Weil momentan auch das Personal für einen sicheren Betrieb des Flughafens fehlt (Sicherheit, Anti-Narcoticos, etc.), bleibt er bis auf weiteres geschlossen.

Um etwa 1300 UTZ-5 hat die Ecuadorianische Regierung den Notstand ausgerufen.

Es gibt prominente Stimmen, die die These eines versuchten Staatsstreich unterstützen. Ein Parlamentarier der PRI sagt wortwörtlich, dass diese Ereignisse den rechtskonservativen Kräften zuzuschreiben sei, “Feiglinge, Korrupte, welche an der Urne nie gewinnen könnten” und die Interviewer des ECTV nicken zustimmend mit dem Kopf.

Offensichtlich ist die Revolte von oben angezettelt worden.

Um 14:20 spricht Coronel Carlos Algonera im ECTV und erklärt, dass die Streitkräfte Ecuadors, das Kader und die Truppen (an der Grenze), bedingungslos hinter dem Präsidenten stehen.

14:30 der Vizepräsident Lenin Moreno (im Rollstuhl) beantwortet die Frage, ob er den Platz des Präsidenten einnehmen wolle, mit: “No señor. Ecuador hat einen verfassungsgemäss gewählten Präsidenten und ich bin der verfassungsgemäss gewählte Vizepräsident. Wenn sie sich auf die verfassungswidrige Ablösung des Präsidenten beziehen, sage ich ihnen, dieses Vorgehen gehört der Vergangenheit an, das entspricht nicht mehr der heutigen Situation”.