Meinungen, Meinungen: Google, die neue Bedrohung am Horizont

Ich will hier nicht Seiten füllen. Denn die Sachlage ist eigentlich ganz einfach: Google, früher und heute.

 Google früher: Das aufstrebende Unternehmer zweier jugendlicher Genies, die da mit ihrer Suchmaschinen den trägen Giganten Altavista und Co die Show mit einer viel besseren Performance stahlen. Sie waren Pioniere des Internets. Microsoft war damals wie heute im public knowledge der böse Monopolist, der versucht, die Kunden über den Tisch zu ziehen, indem er seine Marktmacht missbraucht. Alle schrien nach mehr Wettbewerb, um genau diese Marktmacht zu brechen, alle träumten vom Erlöser. Die einen dachten es wäre Linux. Aber Linux war und ist es nicht.

Google heute: Im public knowledge als der böse Monopolist bekannt, der versucht, die Kunden über den Tisch zu ziehen, indem er seine Marktmacht missbraucht. Alle schreien nach Datenschutz, um diese Marktmacht zu brechen. Alle träumen von Sanktionen. Die einen denken, es wäre der Staat, aber der Staat ist es nicht.

 Jetzt würden Sie eigentlich ein Fazit erwarten. Kommt aber nicht. Stattdessen: Microsoft noch früher: Microsoft, das aufstrebende Unternehmen zweier jugendlicher Genies, die da mit ihrem Betriebssystem den trägen Giganten (deren Namen ich schon längst vergessen habe) die Show mit einer viel besseren Performance tahlen. Sie waren Pioniere der Informationstechnik.

Und jetzt kommt das Fazit (endlich): Microsoft und Google sind heute Konkurrenten und das ist gut so. Anstatt sich über Googles neue Macht zu beklagen, sollte eigentlich Einigkeit darüber herrschen, dass es gut ist, dass Google’s neue Macht das alte Monopol Microsoft’s zerstört hat. Wir sollten alle froh sein, dass es nun einen zweiten Giganten gibt. Wir sollten es nicht dem Staat überlassen, diese beiden nun weiter mit Sanktionen zu belegen. Im Gegenteil, wir sollten anerkennen, dass in dem globalen Markt, der in immenser Weise an Grösse gewonnen hat in den letzten beiden Jahrzehnten, auch grosse Unternehmen braucht.

 Ja – wir sollten die Entstehung grosser Unternehmen fördern.

Short Story: The other end of the story

Eigentlich wollte ich ja eine Kurzgeschichte schreiben über diesen Mann, aus einer ganz normalen Stadt, mit einem ganz normalen Leben, kurz – über diesen ganz normalen Mann, der eines Tages beschliesst, etwas ganz Aussergewöhnliches zu tun und sich sofort aufmacht um die Gelegenheit dazu zu finden. Ich hätte ihn Rudolf Meier genannt. Weil das ein ganz normaler Name ist. Der Name ist so lächerlich normal, dass er mich abschreckt. In der Schweiz heissen eine Menge normaler Leute Rudolf Meier. Und in der Schweiz sind ziemlich viele Leute normal. Naja, der Dreh der Geschichte wäre gewesen, dass dieser Mann, auf der Suche nach einer Gelegenheit, etwas völlig Abnormales, Aussergewöhnliches zu tun, diese Gelegenheit – völlig unerwartet – bekommt. Aber dann, als er sie auch wirklich wahrnehmen will, diese einzigartige Chance, was wirklich Einzigartiges zu tun, wird er – Wumm – von einem Auto überfahren. Von einem ganz normalen Auto in einem ganz dämlichen, völlig unspektakulären Unfall. Das wäre dann das Ende der Geschichte gewesen. Auf jeden Fall für ihn. Die Moral der Geschichte? Ich bin nicht einer von denen, die dem Aussergewöhnlichen feind sind.  Ich hätte damit nicht sagen wollen: Leute, folgt bloss nicht euren Träumen! Bleibt bei dem, was die Gesellschaft euch als normal diktiert! Nein, ganz im Gegenteil. Meine Message wäre gewesen. Verwirklicht eure Faszination – es ist wert, dafür zu sterben.

Naja, ich hab das dann doch nicht geschrieben. Es blieb beim Entwurf. Und jetzt werde ich auch nie mehr schreiben. Dieser Nachmittag  war so strahlend schön. Der Himmel war so sattblau, dieses tiefe Blau, dass einen die Tiefe des Raumes erahnen lässt. Die Sonne war klar und angenehm warm. Frühling halt und das ganze zog mich nach draussen. Und dann bin ich ins Auto gesessen und hab einen Freund angerufen. Zusammen sind wir dann in die Stadt gefahren und haben den Tag in einer Bar, drausssen in der Openair-Lounge genossen und sind später am Abend noch an den See um die Abendsonne einzufangen. Auf dem Nachhauseweg ist es dann passiert. Ich hab mich verfahren in Zürich und musste rückwärts aus einer Einbahnstrasse heraus – peinlich, peinlich, jemand kam mir entgegen und da war kein Platz zwischen all diesen parkierten Autos und dann musste ich halt, mit rotem Kopf, wohl oder übel zurücksetzen. Kann sein, dass ich ein bisschen fest auf’s Gas getreten bin in dieser dummen Situation. Dann fing das alles an mit einem ganz üblen, trockenen Aufschlag von hinten. Ich hab natürlich sofort gestoppt, aber das hat ihn nicht retten können, wie der Arzt eine halbe Stunde später sagte, hat es auch gar keinen Unterschied gemacht, der Mann war sofort tot, er hatte sich beim Sturz vom Fahrrad das Genick gebrochen. Ja er war sofort tot, das sah man beim Aussteigen sofort, der Kopf war so unnatürlich verdreht – nicht sehr fest, aber doch so seltsam verdreht, dass man das gleich sah – auch als Laie – dass da etwas sehr Wichtiges nicht so war wie es sein sollte. Aber auch in dieser unnatürlichen Haltung hatte der irgendwie glücklich ausgesehen. Der hatte auch im Tod immer noch einen zufriedenen Gesichtsausdruck. Ja, die Augen waren offen. Beide. Und so starr, aber das Gesicht sah irgendwie friedlich aus. Der hatte sich auch sonst nicht mehr bewegt, gleich als wir ausgestiegen sind schon nicht mehr. Der war wirklich sofort tot. Ich habe den auch nicht angefasst, da kam einer von Schutz und Rettung Zürich, der ist zufälligerweise vorbeigefahren, als das passiert ist und der hat sofort alles in die Hand genommen und auch den Krankenwagen und die Polizei alarmiert. Naja, es war Einbahnstrasse, auch für Fahrräder und der Mann war auch auf der falschen Strassenseite unterwegs und eine Reihe weiterer Tatsachen die zumindest moralisch mich von einem Teil der Schuld entlasteten. Sie haben mir dann auch seinen Namen gegeben – er hiess Rudolf Meier – aber ich habe – trotz intensivem Nachforschen – nie herausgefunden, was diese einmalige Gelegenheit war, um die sich wohl seine Gedanken gedreht haben müssen, als er sich- völlig unerwartet – mit einem rückwärts fahrenden Auto konfrontiert sah.

I-94

Die Zeit ist gekommen für den grünen Zettel. Der ist schon recht in Mitleidenschaft gezogen. Das kleinere Doppel ist abgefallen und beide Teile sind recht zerknautscht, nach 3 Stunden Spezialbehandlung in der Gesässtasche. Dann mal flugs Name und Adresse eintragen. Auf der Rückseite gibt es einen Fragebogen.Leiden Sie an einer ansteckenden Krankheit? Sind Sie körperlich oder geistig behindert? Betreiben Sie Drogenmissbrauch oder sind Sie drogenabhängig? Ja oder Nein? Nun ja, ich trage ein Brille, das ist durchaus eine körperliche Behinderung, aber wenn ich deswegen diese Frage mit Ja beantworte – dann betreibe ich gleichzeitig Drogenmissbrauch oder bin ich drogenabhängig. Nun, dann doch lieber Nein.

Nächste Frage. Sind Sie jemals wegen eines Vergehens oder einer Straftat aus niedrigen Beweggründen oder eines Verstosses gegen ein Betäubungsmittelgesetz verhaftet oder verurteilt worden? Sind Sie jemals wegen zweier oder mehrerer Vergehen verhaftet oder verurteilt worden, für die insgesamt eine Haftstrafe von 5 Jahren oder mehr verhängt wurde? Handeln Sie mit Substanzen nach einem Betäubungsmittelgesetz? Steht hinter Ihrer beabsichtigten Einreise die Absicht, sich an strafbaren oder unmoralischen Handlungen zu beteiligen? Wooow, hold your horses there! Also nochmals langsam. Sind Sie jemals… niedrige Beweggründe… Betäubungsmittelgesetz *murmel*

Zum Glück haben mich die Bullen nie beim Kiffen erwischt, sonst müsste ich diese Frage ja glatt mit Ja beantworten!

Steht hinter Ihrer beabsichtigten Einreise die Absicht,s ich an strafbaren oder unmoralischen Handlungen zu beteiligen? Ooookay, das ist nun wirklich Auslegungssache! Jetzt müssten wir uns ganz differenziert damit auseinandersetzen, was nun moralisch sei und was nicht. Ist es unmoralisch, wenn ich auf öffentlichem Grund auf den Boden spucke? Oder wenn ich auf fahrlässige Art und Weise eine Ameise zertrete? Oder nach dem Niesen meine Hände an diesem Formular abtrockne? Gewisse Leute würden diese Frage klar mit Ja beantworten. Auf der anderen Seite sind auch Moralvorstellungen verbreitet, die hemmungsloser Sex auf der Toilette mit einem unbekannten Partner als völlig ok erachten. Meine Herren, bitte streichen Sie diese Frage aus dem Bogen. Sie stiftet Anlass zu Grundsatzdiskussionen, die in eine Schlägerei 30000 Fuss über Meer ausarten könnte.

Also… Nein. Nächste Frage. Waren Sie jemals oder sind Sie in Spionage, in Sabotage oder in terroristische Aktivitäten verwickelt? Waren Sie an Völkermord oder in der Zeit zwischen 1933 und 1945 in irgendeiner Weise an den Verfolgungen des nationalsozialistischen Regimes Deutschland oder seiner Verbündeten beteiligt?

Also das ist ja wieder einmal ein Grenzfall! Spionage, nein, leider nicht! Aber wenn ich ein Spion auf der Einreise nach Amerika wäre, dann würde ich das bestimmt auch nicht sagen. Als Spion ist man halt gezwungen, bei solch allzu direkter Fragerei zu lügen. Sabotage… Nein. Terroristische Aktivitäten… Nein. Völkermord… Ich hab mal in Civilisation III die Hunnen ausgerottet, aber das meinen die hier wohl nicht. Also Nein. In der Zeit zwischen 1933 und 1945… Verfolgungen… Nationalsozialistisch, Nein! Super, erste Frage, die ich guten Gewissens mit Nein beantworten kann!

Haben Sie jemals ein Kind der Obhut eines Staatsbürgers der Vereinigten Staaten entzogen, dem das Sorgerecht für dieses Kind zugesprochen wurde? Nein.

Ach ja, ein wichtiger Hinweis! Wenn Sie eine der oben aufgeführten Fragen mit JA beantwortet haben, setzen Sie sich bitte VOR Ihrer Abreise in die Vereinigten Staaten mit der US-Botschaft oder dem nächstgelegenen US-Generalkonsulat in Verbindung, da Ihnen die Einreise in die Vereinigten Staaten verweitert werden könnte.

Zum Glück ist ja das fett gedruckt, sonst hätte ich das beinahe übersehen! Dann noch der Rechtsmittelverzicht: Hiermit verzichte ich auf as Recht, Einspruch gegen die Entscheidung eines Beamten der Zoll- und Grenzschutzbehörde der USA hinsichtlich einer Einreiseerlaubnis erheben oder deren Überprüfung zu verlangen, sowie auf jeglichen Einspruch gegen eine Ausweisung.

Heey, halt! Ich will doch gar nicht verzichten! Ich gehe notfalls bis zum Obersten Gericht, falls diese Deppen beim Immigration Service mir die Einreise verweigern.

Meinungen, Meinungen: Assozial?

In Deutschland wird rund um die Razzien der Steuerbehörde viel Staub aufgewirbelt. In zahlreichen Kommentaren und Kommentaren über Kommentare, Webforen und Weblogs werden die “Assozialen”, also diejenigen, die ihren Zehnten nicht pflichtgemäss an Vater Staat abdrücken, gebrandmarkt. Dabei schwingt ein beachtliches Mass an Emotionen mit.

“Es tut mir schrecklich leid, aber ich muss es wirklich sagen: Hoffentlich bekommen sie möglichst viele von dieses “Asozialen” dran.” (User auf zoomer.de)

Es scheint so, als ob Steuerhinterziehung Deutschlands Gemüter tatsächlich bewegt! Dass Steuerhinterziehung in Deutschland ein Delikt nach Strafgesetzbuch darstellt und die Steuerbehörden einen stetigen Kompetenzzuwachs verbuchen können, wenn es um die Verfolgung von Steuersündern geht, ist beunruhigend. Allerdings legen die medialen und privaten Emotionen der letzten zwei Tage offen, dass die gesetzlichen Regelungen den moralischen Vorstellungen der Deutschen durchaus entsprechen.

Wer Steuern hinterzieht, ist ein Verbrecher und schädigt am Ende alle. Steuersünder gehören in den Knast, gleich ob Millionär oder einfacher Arbeiter. (zoomer.de)

58% der Teilnehmer der nicht repräsentativen Umfrage stimmten auf zoomer.de für diese Option! Angesichts einer ausserordentlich hohen Steuerbelastung und einer ausufernden Milliarden verschlingenden Verwaltung, die ständig neue Kompetenzen an sich reisst, jedoch die zentralen Aufgaben eines Staates wie Sozialwerke, Arbeitslosenversicherung, Altersvorsorge, etc. nicht in den Griff kriegt, ist es erstaunlich, welchen Rückhalt die konsequente Einforderung von Steuern im Volk hat! Offensichtlich wird in Deutschland das Steuerzahlen nicht als Zwang der “Steuervögte” empfunden, sondern eher als Beitrag zum Gesamtwohl. Derjenige, der sich davor drückt, ist assozial, weil egoistisch.

Der Fall Zumwinkel zeigt, dass Steuerhinterziehung in Deutschland tatsächlich kein Kavaliersdelikt ist. Der Vertrauensentzug durch den grössten Post-Aktionär – den deutschen Staat – ist eine nachvollziehbare Reaktion auf das Bekanntwerden von Zumwinkels Steuertricks. In die Hand, die einen füttert, beisst man nicht. Kein Investor würde einen Vorstandsvorsitzenden weiterhin unterstützen, von dem er hinterrücks bei einem anderen Geschäft betrogen worden wäre. So muss auch der Bund ein Exempel statuieren – alles andere käme auch auf kommunikativer Ebene einer Katastrophe gleich: Der Staat würde den Rückhalt im Volk angesichts der sowieso schwelenden Abneigung gegen die persönliche Bereicherung von Managern völlig verlieren, die Verwaltung wäre durch die gezeigte Schwäche lächerlich gemacht.

“Die Elite versagt, und die Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft erodieren” (FAZ.NET)

Aber die über die blosse Notwendigkeit einer angemessenen Reaktion auf Zumwinkels Vergehen hinausgehende Empörung und Verdammung von Steuerhinterziehung (bei einer in Frage stehenden Summe von wenigen Millionen Euro) erstaunt dann doch. Viel naheliegender wäre doch die insgeheime Unterstützung Zumwinkels gewesen! Die Solidarisierung mit jemandem, der vom Staat geschröpft wird, sich aber dagegen zu wehren weiss, ist doch intuitiv. Aber offensichtlich nicht für die Deutschen: Der Fokus liegt eher auf den Leistungen des Staates und damit auf der Ausgabenseite und nicht auf der Gesamtbilanz, bzw. der Effizienz und Effektivität der staatlichen Mittelverwendung. Wenn jemand also seinen Beitrag nicht leistet – von der Verteilungsgerechtigkeit der Belastung ganz abgesehen – schmälert das die staatliche Leistung für alle anderen. Das hängt wahrscheinlich mit der Erwartungshaltung gegenüber dem Staat zusammen. Aber sollte die Angelegenheit nicht von einer ganz anderen Seite betrachtet werden? Wer könnte von sich behaupten, nicht alles zu unternehmen, um die staatlichen Abgaben, die auf der Einkommensstufe eines Zumwinkels 50% ausmachen, zu minimieren? Steuern sind eine Form staatlich erzwungener Unfreiheit, die durchaus auch ein unverhältnismässiges und sehr ungerechtes Ausmass annehmen können.

Man muss sich deshalb fragen, wieso ein Zumwinkel mit einem sehr hohen Verdienst sich dem Risiko der Steuerhinterziehung ausgesetzt hat. Es stand viel auf dem Spiel – sein Posten als Vorstandsvorsitzender und vielleicht späterer Aufsichtsrat, seine Reputation bei 80 Millionen Deutschen. Er hat durch den Steuerskandal sein Gesicht wegen der Diskrepanz zwischen seinen Worten, bzw. der Werthaltung, die er vermittelte und den jetzt zu Tage getretenen Tatsachen sogar rückwirkend verloren. Er hat seinen Track Record unwiederbringlich verschandelt. Der Menschheit wird er als korrupter doppelzüngiger und raffgieriger Versager in Erinnerung bleiben. Bei einem solch immensen Risiko muss auch das Incentive für die Steuerhinterziehung sehr hoch gewesen sein. Die Steuerabgaben müssen so drückend, die Frustration über einen verschwenderischen Abzocker-Staat so gross gewesen sein, dass es sich lohnte, das erwähnte Risiko in Kauf zu nehmen.

Angesichts dieser Überlegungen sollte man in Erwägung ziehen, die Empörung zurückzuschrauben und die gegenwärtigen Geschehnisse einer differenzierten und nüchternen Analyse zu unterziehen.

Reflexion: Das Grosse Krabbeln

Ich bin zufrieden. Mir geht es richtig gut. Zwar ein klein wenig müde, aber durch die Velofahrt an die Uni hinauf hab ich mir auch noch den letzten Schlaf aus den Augen reiben können. Genau die richtige Spur Adrenalin. Kommt hinzu, dass ich es endlich mal geschafft habe rechtzeitig aufzustehen damit ich vor 8 Uhr an der Uni bin. Heute werde ich im täglichen Kampf um einen Studienplatz in der Bibliothek der St. Galler Hochschule für Wirtschaft (HSG) zum ersten Mal ganz, ganz, ganz vorne sein. Nachdem mir gestern jemand meinen geliebten Eckplatz auf dem Balkon weggeschnappt hat. Ja überhaupt, jeder verfügbare Sitzplatz ist besetzt. Die Lernphase ist angebrochen.

Ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass es leider keine Alternative gibt. Auch der Trick mit dem an die stählerne Fussstange des fest installierten Schreibtisches angeketteten Laptops hat sich als Schlappe erwiesen. Am nächsten Morgen, komfortabel um halb Neun, war der Laptop zwar noch da, doch alles nicht niet- und nagelfeste musste ich zusammen mit einem Rüffel bei der wenigstens sehr hübschen Bibliothekarin abholen.

Nun, man geht ja den Weg des geringsten Widerstandes. Doch der Widerstand hat sich leider als so gross erwiesen, dass ich zähneknirschend die Motivation aufgebracht habe, früher aufzustehen. Das gab’s bei mir bisher noch nie. Zurück zu meinem Morgen. Frohgemut geht’s auf die Biblio zu, aber, man glaubt es kaum, vor den verschlossenen Bibliothekspforten hat sich bereits eine Menschentraube gebildet, die um Viertel vor Acht (!!!) schon auf der Lauer ist. Mir graut es, doch was bleibt mir anderes übrig, als mich zu ihnen zu gesellen?

Eine geschlagene Viertestunde, während der ich über die Opportunitätskosten sinniere, wird gewartet, bis der Bibliothekar, mit uns armen Seelen spielend, grinsend zuerst die falsche Tür öffnet und uns dann definitiv hineinströmen lässt. Der Typ vor mir meint zynisch, einfach Kopf oben behalten, der Rest geschieht ganz von alleine, bevor er im reissenden Menschenstrudel durch die Tür gesogen wird. Und schon bin ich an der Reihe: Unter Ächzen und Stöhnen, von hinten gestossen, links und rechts mit Ellenbogen auf der Bahn gehalten, werd ich in Richtung Tür bewegt. Der Druck erreicht sein Maximum und meine faltbare Kiste mit meinen Utensilien beginnt sich von selber zusammenzulegen, als es plötzlich Luft wird um mich. Strike! Im Eilschritt durch das Foyer, einem smarten HSGler folgend, der einen Vorteil ausnutzend, die entgegenkommende Tür nimmt, kurz vor einem andern in den Gang einschwenkend, jetzt im Laufschritt die Treppe hinauf, ruhiger zwischen den Büchern hindurch und still stehe ich da. Die Bibliothek jungfräulich, weitläufig, leer und still wie ein Alpenpanorama beim Sonnenaufgang. Mein Platz da. Setzen, Utensilien ausbreiten, Laptop anschliessen. Interessiert zusehen, wie das grosse Krabbeln beginnt. Es krabbelt, bis die Bibliothek nach 10 Minuten gerammelt voll ist. Bis auf den letzten Platz.

Da erfährt man das Prinzip von Angebot und Nachfrage an eigenem Leibe. Da soll noch einer sagen, an der HSG werde nur graue Theorie vermittelt. Wenigstens, so sagen die älteren Semester, sei es empirisch belegt, dass kurz vor den Prüfungen die Bibliothek wieder leerer werde. Leute, die aufgegeben haben, so mein Mitbewohner ironisch. Ich werde auf jeden Fall bleiben und das nächste Mal um Punkt Acht dastehen, wegen den Opportunitätskosten.